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Fünf Mythen rund um Erfolg in der betrieblichen Prävention

In der Podcast-Episode 20 geht es um 5 Mythen rund um den Erfolg in der betrieblichen Prävention, die viele Leute glauben. Und ich zeige Ihnen, warum diese Ansichten Schwachsinn sind!

Bevor es um die 5 größten Mythen über den Erfolg in Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement geht, vorab noch ein spannender Tipp:

Die Pioniere sind nicht nur eine Online-Community, sondern es gibt auch jedes Jahr einen Online-Kongress unter diesem Titel. Und auch 2021 wieder, von 23. - 27.08.2021! Sie können online zuschauen, von wo aus Sie wollen. Es gibt tolle Vorträge rund um verschiedenste Aspekte der betrieblichen Prävention. Und ich freue mich sehr, dass Prof. Christoph Bördlein zugesagt hat. Vielleicht kennen Sie ihn schon? Er ist Experte für Behavior-based safety. Er wird beim Online-Kongress der Pioniere der Prävention 2021 einen Vortrag halten rund um BBS - aber für Fortgeschrittene. D.h., er wird in die Tiefe gehen. Zusätzlich gibt es eine offene Fragestunde, wo Sie ihn alles fragen können rund um verhaltensorientierte Arbeitssicherheit.

Im Vorfeld habe ich ihn schon um einen kleinen Tipp gebeten für alle, die Behavior-based safety schon mal ausprobiert haben, es aber nicht geklappt hat, wie man sich das vorgestellt hat:

"Denken Sie auch bei BBS daran, wenn es nicht so läuft, wie es laufen sollte: Auch das, was ich in BBS tue, ist Verhalten. Und wenn Mitarbeiter nicht machen, was sie in einem BBS-System machen sollten, werden Sie nicht wütend, seien Sie nicht enttäuscht, sondern überlegen Sie sich: Wie kann ich das fördern, dass Mitarbeiter sich bei BBS engagieren?"

Ich freue mich schon richtig auf den Vortrag von Prof. Bördlein und natürlich auch auf all die anderen Speaker. Wenn das auch für Sie interessant klingt: Gerne jetzt schon anmelden (absolut KOSTENLOS): www.pionierederpraevention.com/kongress

Zurück zum Thema: Die größten Mythen über den Erfolg in Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement.

Viele Leute sind in der betrieblichen Prävention tätig. Zehntausende Menschen im deutschsprachigen Raum. Und tausende schließen auch jedes Jahr neu ihre Ausbildung ab. Aber: Wie viele sind dann wirklich erfolgreich in ihrer Tätigkeit?

Ich definiere, was ich unter Erfolg verstehe: Darunter verstehe ich einerseits, dass die Leute wirtschaftlich erfolgreich sind, dass sie eine gute Arbeitsorganisation und ein gutes Projektmanagement haben, dass sie aber auch über ein entsprechendes Selbstmanagement verfügen (also auch Zeit für sich und ihre Weiterentwicklung bleibt), dass sie eine klare Positionierung für sich selbst und die KundInnen haben und dass sie wirksame Gespräche führen können (eine hohe Beratungskompetenz haben).

Um ehrlich zu sein: Fast alle PräventionsexpertInnen, die ich kenne, haben die eine oder andere Baustelle (Entwicklungsfeld)

Beispiele:

  • Menschen, die zwar viel Geld verdienen, aber überhaupt keine Zeit mehr für sich selbst haben.
  • Leute, die sehr gut KundInnen beraten und Gespräche führen können, aber die sich unsicher sind, ob sie sich klar für ein Thema positionieren sollen.
  • Menschen, die super Geschäftsleute sind, ein super Marketing für sich selbst machen, aber dahinter eigentlich keine Beratungskompetenz steckt.

 

Woran liegt das?

Es liegt zum Teil auch an den Glaubenssätzen, die die Leute mitbringen. Viele Personen glauben mindestens eine der Mythen, über die ich heute berichten werde. Aber Sie sollten diese Mythen nicht glauben! Damit Sie ganzheitlich erfolgreich sein können!

 

6 Mythen und warum sie falsch sind!

1) Ich muss nur fachlich gut sein, dann überzeuge ich.

Die Kommunikation und die Beratungskompetenz ist leider viel entscheidender darüber, wie überzeugend man ist gegenüber den Beschäftigten und den Führungskräften.

Gehen Sie zur besten Hausärztin? Nein, wahrscheinlich gehen Sie zur angenehmsten Hausärztin in der Nähe. Weil Sie diese fachliche gar nicht so einschätzen können, wenn Sie Nicht-MedizinerIn sind.

Die internationalen Organisation IOSH ("Institution of Occupational Safety and Health") hat ein modernes Kompetenzmodell erstellt. Es gliedert sich in 3 Teilbereiche, die man braucht, um in der betrieblichen Arbeitssicherheit und Gesundheit erfolgreich zu sein. Das sind: Technische Kompetenzen + Kernkompetenzen + Verhaltenskompetenzen. Aufgebaut wurde dieses Modell auf Basis einer Mitgliederbefragung von über 10.000 Personen in 111 Ländern.

Gesetze zu kennen, eine gute Risikobewertung und Unfallabwicklung zu machen, sind nur 3 von 12 Teilaspekten! Viel mehr Gewicht hat in diesem Kompetenzmodell die sogenannte Kultur-Kompetenz bekommen, das strategische Denken, die Führungskompetenz, die Kommunikationsfähigkeit und die Zusammenarbeit mit anderen.
Diese "weichen" Qualifikationen sind entscheidend und viel schwieriger aufzubauen als fachliche Kompetenzen wie das technische Wissen. Deshalb empfehle ich Ihnen, als PräventionsexpertIn, auch dafür regelmäßig Schulungen und Reflexionen im Arbeitsjahr einzuplanen.

Hier ein Zitat von Svenja, einem Akademie-Mitglied bei "Pioniere der Prävention": "Durch die Akademie ist mir klar geworden, wie wichtig meine persönliche Haltung für den Erfolg meiner Arbeit ist."

Es gibt auch eine Studie der Universität Wien. Diese hat von 2016 bis 2018 eine spannende Längsschnittuntersuchung durchgeführt zu "Arbeitssicherheit im Betrieb – Die Wirksamkeit von Sicherheitsfachkräften verstehen". Dabei wurde unter anderem die Wirksamkeit von drei Argumentationsstrategien untersucht:

  • Rationales Argumentieren
  • Druck erzeugen
  • Einschalten übergeordneter Instanzen

Viele Leute, v.a. in der Arbeitssicherheit, glauben, dass das Winken mit Gesetzestexten die richtige Strategie ist, um Führungskräfte zu überzeugen. Aber diese Studie der Uni Wien hat ganz klar gezeigt: Rationales Argumentieren mit Fakten und logischen Schlussfolgerungen wirkt immer signifikant positiv auf die Unterstützung durch die Führungskraft.

Und es wirkt dann deutlich stärker, wenn die ArbeitsschützerIn auch hohe Expertise hat. Druck zu erzeugen sollte nur bei groben Verstößen passieren, da dies eher zu Ablehnung durch Führungskräfte führt, v.a. wenn wenig Expertise da ist. Wenn man als ExpertIn angesehen ist im Betrieb, dann hat der Druck im besten Falle keine Auswirkung darauf, ob es Unterstützung durch die Führungskräfte gibt. Ist dies nicht gegeben, sinkt die Unterstützung dadurch. Als Überzeugungsstrategie ist ein solcher Druck deshalb äußert ungeeignet.

Das Einschalten von übergeordneten Instanzen wie externen Institutionen oder dem höheren Management führt unter keinen Umständen zu mehr Unterstützung durch Führungskräfte.

Es ist wirklich wichtig zu lernen, wie man hier psychologisch am besten vorgeht!

Tipp: Episode 7 - "Beratungskompetenz als Kern von wirksamer Prävention"

 

2) Ich (als Selbstständige/r) habe keine Zeit für Marketing.

Man weiß ja: Zeit hat man nicht, die nimmt man sich. Und wenn man sich keine Zeit dafür nimmt, dann wird man irgendwann keine Kunden (mehr) haben. Denn die Problematik im Zusammenhang mit dem Marketing ist, dass man es azyklisch machen muss. Nämlich dann, wenn es einem gut geht. Wenn es nicht läuft, ist es zu spät!

Beispiel: Werbung im Juli zu starten, wenn seit März keine Aufträge mehr reinkommen, ist viel zu spät! Denn man muss die Vorlaufzeiten einkalkulieren.

Tipp: Regelmäßigkeit finden und im Kalender blockieren.

Und noch ein Tipp: Ich habe ein PDF zusammengestellt mit 93 Tipps, wie Sie Ihre betriebliche Prävention besser machen können. Diese können Sie unter https://www.apjakl.at/kostenlos/93tipps-pdf kostenlos anfordern!

 

3) Ich will mich ja nicht in den Vordergrund drängen.

Das höre ich sowohl von Externen als auch von innerbetrieblich Tätigen. Aber das ist auch ein Mythos! Wichtiger ist, dass man sein Thema in den Vordergrund drängt (und nicht sich selbst), dass man zeigt, dass es normal ist darüber zu sprechen und dass es zu einer soziale Norm wird, sich damit zu beschäftigen.

Ich höre oft (v.a. von Menschen im BGM): "Ich bin eher introvertiert. Das liegt mir nicht so." Es geht aber gar nicht darum, marktschreierisch zu agieren. Man sollte schon authentisch sein und seine eigene Stimme haben, aber viele lassen hier Möglichkeiten liegen, wenn das Thema nicht prominent vertreten wird. Weil wir ja ganz vielen Menschen helfen wollen. Und das können wir nur, wenn wir unser Thema vorantreiben! Wir wollen ja die Arbeitswelt besser machen!

Tipp: Episode 17 - "Die neun Schritte im Verkaufsprozess"

Für alle Mitglieder in der Online-Akademie "Pioniere der Prävention": Es gibt dazu einen ganzen Kurs in unserer Bibliothek: Stichwort "Kundenakquise".

4) Die Firmen machen nur Prävention, wenn sie gezwungen werden.

Das ist eine häufige Einstellung, v.a. von NeueinsteigerInnen und nun Selbstständigen, die vorher in Firmen gearbeitet haben, die nichts angeboten haben.
Ich hatte erst vor kurzem ein Gespräch mit einer Damen, die sich jetzt im BGM selbstständig machen will. Sie war vorher in einer Firma, wo es extrem stressig war und wenig gesundheitsförderlich. Sie hat dann gekündigt. Diese Dame hat zu mir gesagt: "Ja, das wird jetzt anstrengend. Wie kann ich überzeugen mit meinem Angebot? Firmen wollen da ja oft kein Geld ausgeben."

Das stimmt nicht! Es gibt genug Firmen, die das aktiv angehen und gute Angebote machen wollen für ihre Beschäftigten. Man muss nur deren Bedürfnisse herausfinden. Und dann ein entsprechendes Paket liefern.

Oft glauben ExpertInnen (v.a. im BGM) man müsse marktschreierisch sein. Doch das stimmt nicht! Wir können uns in unserer Tätigkeit auch auf KundInnen fokussieren, die das gerne machen wollen. Gerade Neulinge in der betrieblichen Prävention glauben, dass sie Firmen überzeugen müssen und dass das ganz schwierig werden wird. Man kann aber auch so herangehen, dass man sagt, dass die Firmen, wo es hart ist und die man erst überzeugen müsste, einfach nicht die Zielgruppe sind.

Tipp: Episode 17 - "Die neun Schritte im Verkaufsprozess". Hier startet es auch damit: Haben die potentiellen KundInnen schon ein Problembewusstsein oder nicht? Man kann auch mit KundInnen starten, die das schon haben und etwas ändern wollen! Man muss nicht mit den harten Brocken beginnen. Die wollen wenig Geld ausgeben, sind mühsam und unangenehm in der Zusammenarbeit.

 

5) KundIn ist KönigIn und ich muss immer erreichbar sein.

Glauben Sie das nicht! Man muss ganz klar Grenzen setzen! Ich weiß, dass das schwierig ist und ich habe früher auch geglaubt, dass es so sein muss. Ich habe am Wochenende auf E-Mails geantwortet oder wenn um 17:00 Uhr noch ein Mail mit einer größeren Aufgabe gekommen ist, habe ich das noch erledigt oder wenn KundInnen Workshops kurzfristig verschieben wollten, dann habe ich immer geschaut, was möglich ist und dafür teilweise auch private Termine verschoben. Das war ein Fehler!

Wir müssen KundInnen auch erziehen! Es muss klar gemacht werden: Wenn ich im Urlaub bin, bin ich nicht erreichbar! Auch wenn man nur eine Telefonnummer hat (keine Trennung beruflich / privat): Dann kann man vorher eine Mailbox-Information erstellen, dass man auf Urlaub ist und die KundInnen ein Mail schicken sollen und dass Sie nach dem Urlaub darauf antworten. Rufen Sie nicht zurück, wenn keine entsprechende Nachricht da ist.

Ich habe in den vielen Jahren meiner Selbstständigkeit gelernt, dass wir als DienstleisterIn von größeren Erwartungen ausgehen als die KundInnen tatsächlich haben! Viele erwarten das gar nicht! Das ist oft nur eine Einstellung und ein Glaube, den wir in unserem Kopf haben. KundInnen mögen selbstbewusste (nicht freche) DienstleisterInnen!

Wie ich auch erzählt habe in der Episode 4 - "Arbeitsgestaltung ist nicht nur für KundInnen": Unsere eigene Arbeitsgestaltung ist am Wichtigsten. Denn wenn wir ausbrennen, können wir niemandem mehr helfen! Wir müssen das vorleben, sonst sind wir unglaubwürdig!

 

Ein zusätzlicher Mythos fällt mir noch ein:

6) Ich muss noch etwas lernen, um mich selbstständig zu machen.

Leute glauben, sie müssten noch weitere Ausbildungen machen. Doch: Wenn die Grundausbildung erledigt ist, kann man genug, um sich selbstständig zu machen! Wichtiger ist, einen guten Fokus zu finden, sich eine Sache aus der Grundausbildung rauszusuchen, bei der man sagen kann: "Das kann ich gut. Und das will ich auch häufig machen und damit möchte ich meine ersten Erfahrungen sammeln." Es ist viel besser eindeutig zu sagen, was ich anbiete (klar abgegrenzt), als zu glauben, man muss einen riesigen Bauchladen anbieten. Zu glauben, KundInnen buchen einen nur dann, wenn man sehr viele Ausbildungen hat, ist Blödsinn! Ich habe beispielsweise mit der ABS-Gruppe begonnen und habe hier extrem viel Erfahrung gesammelt.

KundInnen wollen keine AnfängerInnen, die einen breiten Bauchladen haben. Sie wollen sich sicher sein, dass man das hält, was man verspricht. Eine Person kann niemals alles perfekt können in der betrieblichen Prävention! Ich bin seit 11 Jahren selbstständig in der Arbeitspsychologie. Aber ich würde mir nicht anmaßen ALLES anzubieten und zu behaupten, dass ich ALLES kann!

Starten Sie mit einem klaren, "einfachen" Tool (z.B. ReTeaming-Konzept, ABS-Gruppe gegen psychische Belastungen, ein einziges Workshop-Konzept, ...), das abgegrenzte Probleme für KundInnen löst und nicht mit der vollen Dröhnung der Komplexität! Starten Sie mit einem klaren Fokus, dann kann man immer noch erweitern, wenn man das MÖCHTE (und nicht, weil KundInnen das haben wollen).

Aber natürlich ist lebenslanges Lernen wichtig. Das mache ich auch ständig, aber es hält mich nicht davon ab, heute schon etwas zu tun und Business zu machen!

 

Haben Sie sich wiedererkannt? Kennen Sie noch andere Mythen? Schreiben Sie mir gerne auf LinkedIn oder Twitter mit dem #pionierederpraevention.

 

Und nicht vergessen: Der kostenlose Online-Kongress ist Ende August. Sie können sich gerne schon anmelden: www.PioniereDerPraevention.com/Kongress

 

Feedback und Fragen an Veronika Jakl:
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Veronika Jakl auf LinkedIn:
Hier geht es zur Online-Akademie "Pioniere der Prävention":
Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin und Vorstandsvorsitzende des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

Begleitet seit 10 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die etwas bewegen wollen.

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