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Schritt 1 im "Fahrplan zum Erfolg": Schauen Sie über den Tellerrand

Wissen Sie, welchen 1. Schritt Sie unbedingt machen müssen, um tatsächlich erfolgreich zu sein in der betrieblichen Prävention? Nein? Dann lassen Sie sich von mir inspirieren auf Ihrem Weg zum Erfolg. Egal, ob Sie in der Arbeitssicherheit, in der betrieblichen Gesundheit oder in einem anderen Teilaspekt der betrieblichen Prävention tätig sind, dies ist für alle Fachgebiete gültig.

Ich habe eine Stammkundin, die Personalleiterin in einem mittelständischen Produktionsbetrieb ist. Als Arbeitspsychologin betreue ich diesen Betrieb schon seit vielen Jahren. Begonnen hat die Zusammenarbeit mit einer Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Dadurch haben sich dann weitere gemeinsame Projekte ergeben (z.B. Teambuildings, Führungskräfte-Seminare). Diese Kundin nannte mich einmal ihre "Ansprechpartnerin für Gesundheit". Und zwar nicht, weil ich mich mit allen Gesundheitsaspekten auskenne, sondern weil diese Personalleiterin weiß, dass sie mich wegen allen anderen gesundheitlichen Aspekten anrufen und ich sie dann in meinem Netzwerk weiterverweisen kann. So wurden dann regelmäßig PhysiotherapeutInnen, ArbeitsmedizinerInnen, … zu Aufträgen hinzugezogen bzw. auf diese verwiesen. Dadurch besteht nun schon seit vielen Jahren Kontakt, auch wenn gerade keine Arbeitspsychologie benötigt wird. Umgekehrt empfiehlt mich diese Personalleiterin aber auch weiter. Die Kundin ist in meinem Netzwerk, sie liest meine Newsletter. Und damit herrscht ein ständiger Austausch. Solche Kontakte sind die perfekte Basis für beruflichen Erfolg.

Im Blogbeitrag "Ihr Fahrplan zu mehr Erfolg: 6 Schritte im Überblick" gibt es schon einen Überblick über alle Schritte, die Fachkräfte in der betrieblichen Prävention benötigen, um tatsächlich erfolgreich zu sein. Der 1. Schritt – der Blick über den Tellerrand - ist ganz wichtig und wertvoll. Damit startet der "Fahrplan zum Erfolg".

Was ist mit "Blick über den Tellerrand" gemeint?

Wenn Sie in der betrieblichen Prävention Erfolg haben wollen, brauchen Sie unbedingt einen Überblick über die unterschiedlichen Aspekte in eben dieser betrieblichen Prävention. Auch wenn Sie Ihre Grundausbildung abgeschlossen und schon einige Erfahrung im eigenen Feld gesammelt haben, ist es – um wirklich erfolgreich zu sein - ganz wichtig, sich im eigenen Land auszukennen. Um dann über den Tellerrand blicken zu können, um sich sozusagen andere Länder anschauen zu können. Ein anderer Vergleich: Sie brauchen einmal eine Muttersprache um eine Fremdsprache gut lernen zu können.

Wenn Sie in Ihrem Feld wirklich gut sind und das Vertrauen der KundInnen genießen, dann werden Sie wahrscheinlich auch immer wieder AnsprechpartnerIn sein für viele andere Themenbereiche im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das heißt, Führungskräfte und Beschäftigte kommen auch mit fachfremden Themen auf Sie zu, die gar nicht zu Ihrem Spezialgebiet gehören. Dann ist es ganz wichtig, dass Sie sich – als PionierIn der Prävention - nicht davon einschüchtern lassen sondern Ihre Fühler in alle Richtungen ausstrecken, um ein Gefühl für neue Themen zu bekommen. Dadurch können Sie eher auch andere SpezialistInnen weiterempfehlen. Und Ihre AnsprechpartnerInnen werden Ihnen dafür dankbar sein!

Was ist mit "Blick über den Tellerrand" nicht gemeint?

Ziel ist es nicht, zu glauben, Profi für alle möglichen Fragen sein zu müssen und alles wissen zu müssen. Ich habe selbst schon erlebt, dass ArbeitspsychologInnen nach einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen Empfehlungen abgegeben haben in Bereichen, die diese gar nicht einschätzen können. Man sollte sich hier an das Motto halten: "Schuster, bleib' bei Deinen Leisten!"

Ziel ist es, sich im eigenen Fachgebiet wirklich gut auszukennen. Man sollte über den Tellerrand blicken, um zu wissen, welche anderen Fachgebiete und welche anderen Profis es noch gibt. Aber das soll nicht bedeuten, dass man deren Job übernimmt. Sondern ganz im Gegenteil: Es ist wichtig, dadurch klarer zu erkennen, wo die eigenen Grenzen sind bzw. wo das eigene Fachgebiet ist.

Wenn man das Gefühl hat, überfordert zu sein bzw. eine Frage zu bekommen, die unangenehm ist, dann ist das ein klarer Hinweis darauf, dass das nicht das eigene Fachgebiet ist und es da andere, hilfreichere SpezialistInnen dafür gibt.

Warum ist der "Blick über den Tellerrand" so wichtig?

Wenn man sehr lange in diesem Geschäft ist, dann wird man irgendwann betriebsblind und sieht dadurch nur noch sein eigenes Spezialgebiet. Es gibt dazu einen schönen Satz: "Wenn Du nur einen Hammer hast, dann ist für Dich jedes Problem ein Nagel." Und das sehe ich häufig in der betrieblichen Prävention: Leute, die diesen einen Hammer haben und für die daher alles ein Nagel ist und die glauben, dass es auch nur diesen einen Hammer gibt und daher finden, sie können jede Problematik mit diesem Hammer erschlagen.

Daher ist dieser 1. Schritt - zu schauen, welche anderen, angrenzenden Disziplinen es noch gibt und sich hier auch zu vernetzen – so wichtig. Denn gerade in der betrieblichen Prävention gibt es so viele verschiedene Disziplinen: Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit, Ergonomie, Brandschutz, Psychologie, Ernährung, Bewegung, Architektur, Schichtplanung, Suchtprävention etc. Und all diese Themen haben weitere Unterthemen, auf die man sich spezialisieren kann:
Auch in der Arbeitspsychologie machen nicht alle das Gleiche. Manche haben sich auf das Thema der psychischen Belastungen spezialisiert, manche auf die Begleitung von Veränderungsprozessen, andere auf die Notfallpsychologie und wieder andere auf Burnout-Behandlungen, …
Und auch in der Arbeitssicherheit gibt es ganz unterschiedliche Schwerpunkte: Spezialisierungen auf Maschinensicherheit, elektromagnetische Strahlung, Chemikalien, Absturzsicherung, ...

Es ist wichtig, sich klar zu machen, wie viele verschiedene Disziplinen es in der betrieblichen Prävention gibt. Damit man auch demütig bleibt und seine Grenzen kennt.

Vorteile vom "Blick über den Tellerrand"

Es gibt hier zwei große Vorteile für PionierInnen der Prävention:

  • Es handelt sich um einen wichtigen Schritt, um Sicherheit in der eigenen Positionierung zu bekommen, um sich klar zu machen: Was will ich anbieten? Was nicht?
  • Wenn alle KollegInnen ebenfalls so agieren, erhält man viel leichter Aufträge aus dem Netzwerk, weil sich dann alle darauf fokussieren, was sie selbst erledigen können und was sie abgeben. Dadurch entsteht ein sehr großes Empfehlungs-Netzwerk und man macht nur mehr die Dinge, auf die man spezialisiert ist und die man auch gerne macht.

 Es gibt aber auch Vorteile für die KundInnen:

  • Wenn man weiß, welche Disziplinen es noch gibt, dann kann man die Betriebe besser betreuen, weil man damit auch erkennt, was diese möglicherweise zusätzlich noch brauchen könnten. Damit kann man den Unternehmen überhaupt erst die Augen öffnen, welche Dienstleistungsangebote noch existieren.
  • Wenn man gut über den Tellerrand blickt, dann lernt man auch ExpertInnen kennen, auf die man verweisen kann. Und daraus resultiert eventuell, dass sich die empfohlenen ExpertInnen im Bedarfsfall revanchieren und man selbst weiterempfohlen wird.

Wie kann ich über den Tellerrand hinausblicken?

  • Besuchen Sie regelmäßig größere Kongresse wie die A+A oder das Forum Prävention, also große Präventionskongresse, die sich nicht auf ein spezielles Thema fokussiert haben. Hier kommt man leichter in Kontakt mit anderen DienstleisterInnen bzw. SpezialistInnen.
  • Durch Online-Veranstaltungen kann man sehr leicht in andere Fachgebiete reinschnuppern. Schon in 30 – 60 Minuten bekommt man viel an Input aus anderen Fachgebieten.
  • Auch Bücher sind hier gut geeignet. Beispielsweise decken Überblicksbücher ein großes Fachgebiet ab und man bekommt damit ein Gefühl dafür, was es denn alles gibt und kann Fachbegriffe kennenlernen.
  • Interdisziplinäre Netzwerke sind großartig. Vor der Pandemie war ich beispielsweise selbst in einem Vor-Ort-Netzwerk mit Fachkräften für Arbeitssicherheit, in dem sich die ExpertInnen aus unterschiedlichen Bereichen bzw. Spezialgebieten einmal im Quartal zum Austausch und zu Vorträgen getroffen haben. Inzwischen habe ich eine Online-Akademie gegründet, nämlich die "Pioniere der Prävention". Hier handelt es sich um ein interdisziplinäres Online-Netzwerk, wo es z.B. die Möglichkeit gibt an Stammtischen oder Webinaren teilzunehmen. Das große Ziel ist, sich interdisziplinär und auch international auszutauschen.
  • Ich bin Gründungsvorsitzende eines Vereins: Fachforum für Arbeitsorganisations- und Wirtschaftspsychologie (FAOW). Da es allerdings nur um die AOW-Psychologie geht, ist dies spezieller. Hier sieht man aber klar: Beschäftigt man sich lange mit diesem Thema, sieht man überall nur Psychologie. Dadurch bekommt man natürlich keinen Blick über den Tellerrand sondern "schmort im eigenen Saft".
  • Außerdem habe ich 2019 auch einen jährlich stattfindenden Online-Kongress gegründet, nämlich die "Pioniere der Prävention". Dieser ist genau dafür gedacht, sich regelmäßig zu sehen und diverse Seiten der betrieblichen Prävention zu beleuchten. Das Angebot ermöglicht (ähnlich wie die großen Kongresse) das Reinschnuppern in viele verschiedene Themengebiete.

Mögliche Aufgabe für Sie

Wenn Sie möchten, können Sie sich ein Thema aus der betrieblichen Prävention aussuchen, von dem Sie noch überhaupt keine Ahnung haben oder welches Sie zumindest nicht perfekt beherrschen, z.B. Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit, Ergonomie, Brandschutz, Psychologie, Ernährung, Bewegung, Architektur, Schichtplanung, Suchtprävention etc. Investieren Sie 15 Minuten und schauen Sie zu Ihrem gewählten Fachgebiet ein YouTube-Video oder hören Sie sich dazu eine Podcast-Episode an, um Ihren Blickwinkel zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen.

In den nächsten Blogbeiträgen werden dann die weiteren 5 Schritte detailliert vorgestellt. Beim 2. Schritt auf Ihrem Weg zum Erfolg geht es um das Thema "Positionierung". Freuen Sie sich schon darauf!

Feedback und Fragen an Veronika Jakl: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Veronika Jakl auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/veronika-jakl/
Hier geht es zur Online-Akademie "Pioniere der Prävention": www.PioniereDerPraevention.com
Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin und Vorstandsvorsitzende des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

Begleitet seit 10 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die etwas bewegen wollen.

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