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Angst davon es auszusprechen? Als Führungskraft leichter kündigen.

Eine Kündigung ist für keine Seite eine leichte Situation. Auch Vorgesetzte kündigen nicht gerne MitarbeiterInnen. Oft schieben sie es auch tagelang vor sich her. Fühlen Sie sich auch nicht wohl, wenn sie an die anstehende Kündigung eines Teammitglieds denken?

Hier bekommen Sie Tipps, was Sie sagen sollten und was Sie vermeiden müssen!

Auch das Durchführen von Kündigungen gehört nicht zum Arbeitsalltag und sollte dennoch professionell vorbereitet und durchgeführt werden.

Vorher planen

Bevor Sie in das Gespräch gehen, denken Sie folgende Themen durch:

  • Welche Personen sollen teilnehmen? (Führungskraft, Personalabteilung, Betriebsrat, Jurist, Management...)
  • Kann der/die MitarbeiterIn eine Vertrauensperson, wie ein Betriebsratsmitglied, hinzuziehen?
  • Wo findet das Gespräch statt? Ist man dort ungestört und unbeobachtet? Sitzt man dort „auf gleicher Augenhöhe“?
  • Wann findet das Gespräch statt? Wie lange wird es dauern? Ist genug Zeit (mit Puffer) vorhanden, um alle Inhalte in Ruhe zu besprechen?
  • Wann und wie wird der/die MitarbeiterIn informiert über Zeitpunkt, Ort und Gesprächsinhalte?
  • Sind im Raum Getränke und eventuell Taschentücher vorhanden?
  • Haben Sie alle schriftlichen Unterlagen dabei?
  • Was wollen Sie vorab noch klären (z.B. mit der Personalabteilung)? Ist die Entscheidung rechtlich abgesichert?
  • Wie sind Ihre Emotionen gegenüber der Person? Werden Sie sie vermissen oder sind Sie froh, wenn die Person weg ist?
  • Wie wird die Kündigung oder Versetzung ausgesprochen? Legen Sie sich wirklich die 1-2 Sätze wortwörtlich zurecht! (Vor dem Spiegel zu üben ist nicht blöd, sondern professionelle Vorbereitung!)
  • War bereits vorher damit zu rechnen oder wird die Nachricht „aus dem Nichts heraus“ kommen? Welche Argumente und Reaktionen sind zu erwarten? Wie gehen Sie dann vor?

Starten

Wählen Sie zunächst einen angemessenen Gesprächsbeginn („Danke fürs Kommen.“), aber zögern Sie das Thema nicht unnötig hinaus („Leider muss ich Ihnen sagen, dass Sie gekündigt sind“). Die Kündigung sollte klar und unmissverständlich ausgesprochen werden. Das ist wie beim Überbringen einer Todesnachricht. Wenn Sie nur blumig umschreiben, was gerade passiert, könnte es missverstanden werden (So nicht: „Wir haben ja gerade eine finanziell schwere Phase in der Firma. Daher brauchen wir nicht mehr die vollen Personalressourcen. Danke für Ihr Verständnis!“)

Eine ruhige Sprache mit Sprechpausen erleichtert der gerade gekündigten Person das Verarbeiten. Im Kopf des Gekündigten geht wahrscheinlich gerade ein emotionales Gewitter los. Die Person denkt langsamer und hört nicht mehr genau zu.

Geben Sie nach der Kündigung der Person die Gelegenheit offen dazu Stellung zu nehmen und zeigen Sie Verständnis für jede Reaktion, die nun folgt. Auch wenn Sie persönlich angegriffen werden, reagieren Sie selbst nicht laut oder beleidigend. Für Ihr Gegenüber ist gerade eine Welt zusammengebrochen, die geplante Zukunft ist geplatzt. Und Sie haben die Nachricht überbracht und werden vielleicht als schuldige Person angesehen – egal, was vorher passiert ist.

Und jetzt?

Vereinbaren Sie gemeinsam, wie mit der Nachricht vor Kollegen umgegangen werden soll und klären Sie die weitere Vorgehensweise:

  • Wer sagt es dem Team?
  • Werden Urlaubstage noch abgebaut?
  • Werden aktuelle Projekte noch beendet oder an jemanden übergeben?

Idealerweise bedanken Sie sich für die bisher geleistete Arbeit (wenn Sie es ernst meinen!) und klären, ob es noch Fragen zur Kündigung gibt.

Sollten Sie die Person nicht sofort von der Arbeit freistellen, gehen Sie ihr in den kommenden Tagen nicht aktiv aus dem Weg, sondern bleiben Sie gesprächsbereit, wenn es noch Fragen gibt. Sollte es die Situation zulassen, so bitten Sie in einem Beendigungsgespräch um ehrliches Feedback zur Arbeitssituation um die eigene Arbeit im Unternehmen zu optimieren.

Wahren Sie auch das Selbstwertgefühl der gekündigten Person vor den verbleibenden MitarbeiterInnen und machen Sie sie und ihre Arbeit nicht unnötig schlecht. Die Veränderung des Sozialklima wird unweigerlich durch die neue Situation eintreten, aber bemühen Sie sich wertschätzend und human zu agieren. Dadurch meiden Sie langfristigen Schaden für das Unternehmen.

Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin und Vorstandsvorsitzende des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

Begleitet seit 10 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die etwas bewegen wollen.

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