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Beraten als BGM-KoordinatorIn

Ich war zu Gast im BGM-Podcast und Hannes Schröder hat mich interviewt, welche Beratungskompetenzen wichtig sind für BGM-KoordinatorInnen. Das war ein wirklich spannendes Interview und wir haben beide viele gute Tipps zusammengetragen, sowohl für innerbetriebliche BGM-Verantwortliche als auch für externe BGM-BeraterInnen.

 

Ich spreche zuerst über meinen Beruf als Arbeitspsychologin und das Kernthema "Psychische Gefährdungsbeurteilung". Hauptsächlich geht es im Interview aber um die Beratungs- und Kommunikationskompetenzen.

Denn in den Fortbildungen, die ich für BGM-ExpertInnen und Menschen, die im Arbeitsschutz tätig sind, mache, ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Leute fachlich sehr, sehr gut ausgebildet sind und wirklich viel Wissen in ihrem Feld haben. Aber das Kernthema der Kommunikation wird leider oft vernachlässigt. Die Leute wissen nicht genau, wie sie andere überzeugen können vom Thema der betrieblichen Gesundheit oder des Arbeitsschutzes. Sie sind hier entweder sehr zurückhaltend oder sehr missionarisch unterwegs. Darum ist die Kommunikationskompetenz für mich auch so ein Herzensthema. Auch Hannes Schröder kann das unterstreichen.

Wir starten im Interview mit den innerbetrieblichen Dienstleistern und meinem Eindruck, dass es viele gibt, die in traditionellen Rollen verhaftet sind, sich nicht trauen, aus Hierarchien auszubrechen und nur sehr vorsichtig Dinge vorschlagen. Auch die diesbezüglichen Unterschiede zwischen großen Organisationen mit vielen Hierarchieebenen und kleinen Unternehmen werden besprochen.

Hannes Schröder kennt das gut und hat einen "Lieblingsspruch", den er öfter hört: "Herr Schröder, das klingt alles super, aber bei uns funktioniert das nicht." Er berichtet über seine Erfahrungen mit Hierarchieebenen aus seiner damaligen Praxis als Personalreferent.

Selbst, wenn man keine Entscheidungskompetenz hat, hat man doch die Möglichkeit mit seinem Thema sehr selbstbewusst aufzutreten, es vorzuleben und im tagtäglichen Gespräch mit KollegInnen voranzutreiben. Das ist das Schöne, wenn man innerbetrieblich unterwegs ist: Zwar ist man manchmal langsamer, dafür kann man aber auch stätig brennen für sein Thema und ein Lauffeuer der Leidenschaft für das Thema der betrieblichen Gesundheit verbreiten. Aber dafür muss man selbst auch gut motiviert sein.

Es ist aber klar, dass man Kulturen nicht von heute auf morgen verändern kann. Trotzdem braucht es jemanden, der dies vorantreibt und selbstbewusst dahintersteht. Es hilft häufig, sich mit anderen BGM-KoordinatorInnen in einer ähnlichen Situation auszutauschen. Damit man sich gegenseitig unterstützen kann, denn viele innerbetrieblich Tätige sind häufig EinzelkämpferInnen und fühlen sich so mit ihrem Thema auch alleine.

Ein kleiner Tipp von Hannes Schröder ist: In der Führungsebene Verbündete suchen! Dies muss nicht unbedingt die eigene Führungskraft sein sondern diese kann auch aus einer anderen Abteilung sein.

Auch ich glaube, dass man sehr individuelle Zugänge braucht, gerade auf der Führungsebene. Und ich bin genauso überzeugt – wie Hannes Schröder – dass das Thema Gesundheit und persönliche Sicherheit etwas ist, das eigentlich ohnehin alle wollen. Aber die Zugänge und genauen Prioritäten sind eben sehr unterschiedlich. Ich erzähle im Interview auch, wie man mit Führungskräften hier umgehen kann.

Hannes Schröder erklärt, dass sehr viel auf der Merkmalsebene kommuniziert wird und nicht auf der Vorteilsebene. Er selbst ist ein großer Freund der Vorteilsargumentation (tatsächlich dahintersteckende Vorteile aus den entsprechenden Merkmalen).

Ich erwähne im Interview einen wesentlichen Punkt, wenn es um Beratungskompetenz geht: Sich empathisch in das Gegenüber einfühlen und deren / dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Es ist wichtig, empathisch rauszuhören, was das Gegenüber möchte, worauf es anspringt.

Ein weiterer Tipp von Hannes Schröder ist: Einen Referenzrahmen setzen. Er versucht selbst immer, zuerst ein großes Paket zu starten und viel haben zu wollen. Denn dann ist das Wegstreichen einfacher, als wenn man versucht, das kleinste Projekt zu verkaufen. Er bringt hier auch ein Beispiel (Pilotprojekt).

Bei externen Dienstleistern, die mit ihrer Beratungsdienstleistung selbstständig sind im BGM, sieht es anders aus. Diese haben in der Regel schon dieses Selbstbewusstsein. Da gibt es häufig das Thema, dass diese eher missionarisch unterwegs sind. Sie kommen mit dem Arbeitsschutz oder glauben, dass ihren Anspruch an Gesundheit alle haben sollen und übertragen die eigenen Ansprüche auf alle anderen. Sie hören dann zu wenig zu, was das Gegenüber eigentlich möchte und was die Bedürfnisse der Steakholder sind.

Ich würde hier sehr vorsichtig sein mit Pauschalargumenten, mit direkten oder indirekten Vorwürfen (z.B. "Wie können Sie das bis jetzt nicht bedacht haben?"). Man muss hier versuchen, auf Augenhöhe mit dem Gegenüber zu sprechen und die Gründe sehen, die diese Person hat, warum etwas noch nicht gemacht wurde (Zeit, Geld, …). Damit muss man vorsichtig umgehen und das Gegenüber ernst nehmen und versuchen Angebote zu schaffen, die das Gegenüber gar nicht ablehnen kann. Zuhören und empathische Beratung sind hier sehr wichtig.

Hannes Schröder erzählt dazu aus seiner Praxis mit den BGM-Strategiegesprächen.

Hören Sie die Details und viele andere Ausführungen in dieser Podcast-Episode!

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Original-Interview zu finden unter: Betriebliches Gesundheitsmanagement - Der Podcast über betriebliches Gesundheitsmanagement für Kleine und Mittelständische Unternehmen

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Veronika Jakl

Arbeitspsychologin, Autorin und Vorstandsvorsitzende des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.

Begleitet seit 10 Jahren Organisationen dabei motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen und psychische Belastungen zu reduzieren. 
Unterstützt PräventionsexpertInnen, die etwas bewegen wollen.

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